ARTIKEL

:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/://:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/://:/:/:/:/:/:/:/:/:/:/

Freitag, 9. August 2013

EIN ANDERES AMERIKA

Die Macht der Bilder / The strength of the pictures
Es ist wie fliegen, ein wenig! Die Strasse ist für viele Meilen eine grade Line, die sich vor mir in die Landschaft streckt.

Die Bewegung des Fahrens! Das sanfte unregelmässige Auf- und abwogen der Hügel über die sie führt. Eine Steigung mit der Kuppe als Horizont, hinüber und das Land liegt vor mir.

Ich fuhr über irgendeine dieser Kuppen und dann lag es vor mir.
 
Monument Valley
Es hatte Vorzeichen gegeben: die Mesa ging links von mir langsam zuende, zerfiel in Fragmente, kleinere Tafelberge und bizarre Formationen.
Die Steppe wurde nun wirklich zur Wüste, die einzelnen Grasbüschel  und Sträucher immer weiter auseinander, dazwischen immer grösserere Flächen von gelblichem bis fast rotem Sand.

Zerfallenes Gestein, trocken und heiss, keine Rinder mehr, kein Grasland, ein einziger, milchfarbener Fluss, tief eingegraben ins den roten Fels.
Einzelne, scheinbar ärmliche Gehöfte, oft nicht mehr als eines dieser fahrbaren Häuser von der Stange, kleine Bruchbuden als Nebengebäude, ein paar Pferde, haufenweise kaputte Autos, dazwischen ganz neue, teure Wagen.
Alles gemeinsam auf dem blossen Sand, machmal ein paar Bäume, aber wenig gestaltestes Umfeld. Es sah oft so aus als habe jemand ein Haus in eine Kiesgrube geworfen und fertig!

Indianerland - wiedermal!
Diesmal, jedoch das was zugewiesen wurde oder ein kläglicher Rest von dem, was einmal ihr Bewegungsraum war.
Monument Valley: ich fuhr mitten hinein in die Filmkulisse. Ich, der hierher kam um die Bilder zu zerstören, die mit all diesen Filmen in mein Leben geschwappt sind, seit Jahrzehnten.

Aber die Bilder sind mächtig, mächtiger als der rote Stein der Türme im Valley.

Niemand wohnt zwischen den Felsen, genau wie die Mesa gestern.
Klar man kann mit dem Auto zwischen sie fahren, man kann austeigen, herumlaufen und staunen. Man kann versuchen, wie ich, diese gigantischen Steinkolosse als das zu sehen was sie sind, der Rest einer ehemals viel höher gelegenen Ebene, die der Erosion anheim viel.

Ich jedenfalls konnte tuen was ich wollte, der Eindruck der Kulisse blieb.

Eine Kulisse, die unbelebt ist, wie nachdem die Theateraufführung vorbei ist, Schauspieler und Publikum sind längst daheim. Vielleicht noch eine einsame Putzfrau, die sich so traurig-komisch ausnimmt in dieser Pompösität, wie die Indianer, die versuchen unter den wehenden Fahnen der USA selbstgemachten Schmuck zu verkaufen.

Die Bider in mir sind nicht gewichen, sie sind auf ein ganz perfide Art noch viel stärker geworden. Die Steine sind nicht nur durch Wind und Wetter erodiert, sondern dadurch, das  sie in meinem - aber ich bin wohl kaum der Einzige - Kopf als Hintergrund für grosse Momente der amerikanischen Filmgeschichte benutzt wurden.
Diese Form der Erosion hat im Gegensatz zur Erosion durch das Wetter nur einen Moment gedauert, ist jedoch genau so nachhaltig - in mir.
Hier findet kein Film statt, die Akteure kreuzten damals kurz auf, es war heiss, sie kamen in klimatisierten Wohnwagen, sie machten den Dreh und sahen zu, dass sie wieder nach Hollywood in ihre Villen kamen.
Der Rest ist Phantasie !!

Was bleibt sind einige sehr grosse, solitäre eingentümlich geformte Felsmonumente in in einem warmen, dunklen Rot, zurückgelassen von Wetter- und Traumküche.
So ist es gut und heilsam, zu sehen was hier wirklich ist oder ... viel besser... was hier wirklich nicht ist.

Motel
Gelandet bin ich am Abend im "Namen weggelassen wegen: siehe Nachtrag" - einem Motel, dass ebenfalls der Erosion unterliegt. Im Innenhof stehen die unvermeidlichen Autowracks, der Pool ist ein Pfuhl und ich bin wohl der einzige Gast.(1)

Die Reception ist in der benachbarten Tankstelle und der junge Ureinwohner verzog weder eine Mine als ich nach einem Zimmer fragte noch schien er sonderlich viel Interesse daran zu haben, mir eines zu vermieten. Auf meine Frage nach WiFi, zeigte er mit der Hand und sagte "no! ... go west, to Flagstaff ... there they have WiFi"
Ich blieb und sah in seinem Gesicht einen Moment lang so etwas wie Verwunderung.
Er weiss ja nicht, dass dies Teil eines Traums ist und wie weit ich schon "go-west" bin.

Bowie singt:
This is not America /
This is not the miracle / 
For this is not America

Doch, mein lieber David!  ... genau das ist die Realität!


Augen auf, hingucken, aufhören träumen und aufhören das Gute in diesem Land dort zu suchen wo Busch und John Ford uns weismachen wollen das es ist.
Dort ist nichts - rein garnichts, ein heisses leeres Tal in dem niemand freiwillig leben würde.
Aber mit offenen Augen findet man, abseits der Bilder im Kopf, abseits der Touristenbusse ein anderes Amerika. 

Szenenwechsel! etwa 150 Meilen nach dem Monument Valley
Im Stau habe ich gestanden in dieser Wüste bei fast 35°C ... weit über eine Stunde, kein Meter vorwärts.
Dann - ich hatte den Motor endlich ausgeschaltet, weil das Benzin knapp wurde. Die Klimaanlage war also auch aus. Es wurde verdammt heiss in der Karre.
Als ich ausstieg um ein wenig Wind zur Kühlung zu finden, hörte ich Musik.
Das war keine Stereoanlage! ... ich ging an der Reihe wartender Autos nach vorn, die Musik wurde lauter: Jazz! ... guter Jazz! Locker und leicht mit einem Drive der gute Laune macht.

Hoch über der Strasse lief ein überdachtes Förderband, darunter, im Schatten sass eine komplette Jazzband (Sax, Drums, Bass (ac.!), Synt. (Piano)) und spielte.

Nein lieber Leser, kein Sonnenstich, keine Fata Morgana ... die Jungs waren unterwegs (vielleicht zu ihrem Auftritt) hatten die Nase voll vom Warten, den Wagen in den Schatten gefahren und ihre Instrumente rausgebracht und einfach losgelegt, der Mann am Sythesizer sass in der offenen Schiebetür, die anderen mit dem Rücken zum Bus, davor ein paar Zuhörer.

Die Leute stiegen alle aus, niemand hielt es im Auto. Einige tanzten und Einer stellte einen riesigen Wasserbehälter auf den Kofferraum seines Autos und verteilte Pappbecher.
Gute Stimmung mit so komplett verschiedenen Leuten. Ein schöner Tag mit einem toten Tal und mit lebendigen Menschen.
Das ist auch Amerika!

Dann kam der Sheriff, mit Baulicht!

Stieg aus, setzte seine Sonnenbrille ab und sich selbst auf seine Motorhaube, wippte mit dem Fuss. Kein Anzeichen von Ungeduld!
Als die Band das Stück beendet hatte, rief er total freundlich: "Hey Guys ... good stuff! ... lets go! We all have to work!"
Die Band hatte einen Hut am Boden, er ging hin und warf eine Note rein. Viele andere auch.
Ich auch ... die Jungs hatten uns den Tag gerettert.

In aller Seelenruhe gingen die Leute zu ihren Autos, die Band packte ein, der Sheriff wartete bis alle fertig waren (wie der Schaffner am Zug, er stand dabei auf seinem Trittbrett, die Armbeuge im Aussenspiegel eingehakt um alles zu überblicken) und setzte sich dann an die Spitze der Schlage und lotste uns durch eine fast 15 Km lange Baustelle.
Das ist auch Amerika!

(1) Nachtrag am Morgen: in der Nacht Frauengekicher und Gekreische. Ein Blick zwischen den Vorhängen bestätigt den schnellen Verdacht. Fünf oder sechs leicht bekleidete Mädels stehen um einen grossen Pickup. Dies ist eine Absteige, deswegen war niemand versessen drauf mit ein Zimmer zu vermieten. Sie machen sowieso ihr Geschäft.
Das ist auch Amerka.

Mittwoch, 7. August 2013

"Grüner Tisch"

Einen und einen halben Tag entfernt, von einem Stückchen daheim, versuche ich die in die Zukunft geworfenen Steine zu fangen.

Gestern kaufte ich mir einen Cowboyhut bei "Murdochs" in Salida, weil Eric sagte: "Thomas, you will need a Cowboyhat" ... recht hatte er, nix ist so gut gegen sie Sonne wie ein Cowboyhut.

Heute dann bin ich auf die "Mesa Verde" gefahren. Spanisch für der "Grüne Tisch" oder besser der "Grüne Tafelberg"
Eine Hochebene voll mit Canyons im Südwestzipfel Colorados auf/in der vor vielen Jahrhunderten und für viele Jahrhunderte Indianer lebten.

Wen die geschichtlichen Hintergründe interessieren, findet unendlich viel Material im Net.
Das brauche ich hier nicht aufkochen.

Was bleibt bei mir davon? ... ist wie immer die Frage.

Eine Karavane von Autos voll mit Touristen schleppt sich, in ewig sich windenden Serpentinen, auf die "Mesa".

Alles ist durchorganisiert wie in einer Fabrik die ComputerChips produziert und "just in time" abliefert.

Diese Organisation spiegelte sich in allem wieder was ich sah, von den perfekt gebauten Strassen über die wirklich dezenten und gut gemachten "Restrooms" (PinkelHäuschen) in strategisch geplanter Distanz voneinander und ökologisch durchdacht mit Komposttoiletten bestückt.

Der Campingplatz, eine wirklich gute Anlage, mit WiFi für alle Campsites und perfekt geharkten, ausnivellierten Plätzen.

Die Parkplätze an den jeweiligen "Attractions" ausreichen gross, mit Hinweistafeln für die jeweiligen Sehenswürdigkeiten.

Junge und gut ausgebildete "Ranger" trommeln nach kurzer Wartezeit die Gäste zusammen, erklären ihnen was es zu sehen gibt und was sie beachten müssen - sinnvolle, prakmatische Anweisungen mit ein bis drei Witzchen garniert - das Publikum kann sich nicht enthalten an der passende Stelle zu lachen - der gelangweilte Gesichtsausdruck des Rangers während des Lachens bedarf wohl keiner Erklärung.

Ich höre hier mal auf und denke es ist durchsichtig auf was ich hinaus will!?

Nichts aber auch garnichts wrd dem Zufall überlassen. Jeder - absolut jeder - Funke von Entdeckergeist oder Freude am Neuen fällt in einen ordentlich parat gestellten Kübel voll perfekt sauberem Wasser.

Zwei Erlebnisse machten mir Freude - bevor der, bis Dato geneigte Leser, mein Gemecker satt hat, will ich die noch schnell vortragen:

1. hier gibts Klapperschlangen und Bären! DAS haben sie nicht im Griff! Ich fürchte die lassen sich durch kein Reglement dazu bewegen aufzuhören zu existieren.

2. es gelingt Angesichts der Grösse dieser Hochfläche der Organisation nicht vollständig ihre Wildheit und Schönheit Einhalt zu gebieten. Trotz Massen von kurzbehosten und Baseballkappen beschützeten Touristen - es blieben Momente in denen ich wieder da stand und nur noch "Ohhh" machen konnte.
Schönheit so scheint mir, steht über all dem was Verdruss bereitet.

Das Wetter und die Landschaft retteten mir den Tag.
Ich stand auf der Seite eines der Canyons und musste wegen des hellen Sonnenlichts das Display der Kamera mit der Hand verschatten, damit ich überhaupt etwas sah, während auf der gengenüberliegenden Seite des Canyons aus schwarzen Wolken ein Regensturm  und Gewitter losbrach. Ich war so gefangen davon, ich vergass Fotos zu machen.

Die "Grüne Tafel" ist reich gedeckt, doch es sassen mir zu viele Leute am Tisch und das Essen roch nach Sonnencreme und Grossküche.

Also, bin ich obwohl der Campingplatz schon ausgewählt und bezahlt war, wieder gegangen.

In der Reception waren sie wenig erfreut, dass ich fragte ob ich mein Geld wieder haben können.
Sie fragten mich warum ... ich log, weil, um die Wahrheit zu erzählen, weder mein Englisch ausreicht noch deren Geduld.

"Business.." sagte ich " ... have to be in San Francisco tomorrow evening"

Das haben sie verstanden ... waren recht lieb, gaben mir die ganze Kohle retour, bedauerten mich ob der langen Fahrt.

"... drive careful, man" sagte ein Typ mit Bart und Cowboyhut der am Tresen rumlungerte  und grinste mich breit an ... einen Moment dachte ich ich kenne ihn ... dann drehte er sein Gesicht wieder zu seinem Rootbeer, fischte eine Fliege raus ... oder sonstwas.
Von draussen schaute ich nochmal zurück zur Bar, der Typ war samt seinem Rootbeer verschwunden, keine 10 Sekunden nachdem er mit mir gesprochen hatte.

However!  ... ich fuhr nach Cortez und verbringe die Nacht in einem schmuddeligen Hotelzimmer.

Ich liebe diese Hotels ... die billigen! ... hier ist gar nichts perfekt!

Ich sitze mit Cowboyhut im Halbdunkel, weil nur einen Lampe funktioniert, den Tisch und Stuhl mitten im Zimmer, weil sonst das Kabel vom Netbook nicht bis zur Steckddose reicht.
Bei meiner Ankuft, an der Türe, flirtete die hässlichste, junge Frau, die ich je gesehen hab, mit mir und im Zimmer  riecht  es trotz des offenen Fensters nach einer  Mischung aus Marzipan, WC-Reiniger und ... Ich-weiss-nicht-was.


Das ist ein Stück gegenwärtiges Amerika, das mir besser gefällt als ein plastifizierte Vergangenheit, deren Schauplatz verlassen wurde - vor langer Zeit.
Doch landete der Stein, den ich vor ein paar Tagen nach heute warf, nicht sinnlos irgendwo im Matsch.

Was mir sowohl Traurigkeit als auch Freude brachte, ist die Tatsache, dass die Indianer die hier lebten fortgingen bevor die Eroberer kamen. Endlich mal was an dem wir Weissen nicht Schuld sind.
Sie  gingen weil es nicht mehr genug Wasser gab, weil ihre Felder verdorrten und ihre Kinder verdursteten ... und sie kamen nie zurück. Sie hatten sicher ihre Gründe!

Sie gingen ein wenig und irgendwie aus dem gleichen Grund wie ich:
Es lässt sich nicht leben dort.

Dienstag, 6. August 2013

NÖRDLICH VON SANTA FE

Vom Reiten, Hüpfen, Tauchen und der Angst

Wenn ich Gus antreibe, damit er trabt, dann hüpfe ich gewaltig auf und ab. Sein Schritt wirft meinen Oberkörper hoch und knalle mit dem Hintern voll in den Sattel zurück ...
Eric nennt das "bouncing"

Wenn ich Gus antreibe, damit er trabt, dann gibt er richtig Gas, er verfällt in Gallopp.
Die Geschwindigkeit ist relativ zu einem Auto wohl nicht sehr hoch, aber auf einem Pferd fühlt sich das wie fliegen an.

Wenn ich Gus antreibe, damit er trabt, dann soll er traben und nicht galoppieren.
Er macht es trotzdem und ich soll lernen ihn davon abzuhalten.
Ich hänge dann mit etwas Angst im Sattel und versuche das RiesenVieh unter mir zu kontrollieren.

In meiner Angst halte ich ich mich mit den Oberschenkeln an Gus Seiten fest. Für Gus bedeutet dieser Druck "... schneller" und er rast los.
... voll kontraproduktiv!!

Reiten undd Tauchen haben viel gemeinsam, es sind langsame Tätigkeiten. Wenn Du zu schnell, zu aufgeregt bist vor Angst oder gar Panik, dann passiert bei beiden genau das Gegenteil von dem was Du erreichen willst.

Also ... ich muss die Angst mitten im Gallopp überwinden, locker bleiben und Gus steuern statt mich wie ein Greenhorn an seinen Flanken und am Sattelhorn festzuklammern.

Das habe ich gelernt und es hat heute zum ersten Mal geklappt. Gus trabte wie eine Fee und ich hüpfte auf und ab wie ein Gummiball.

Eric sagt: "You are not the only one who bonces in the saddel, and not even in the saddle"
Was sinngemäss heisst:
Du bist nicht der einzige der im Sattel auf den Arsch knallt, und nicht nur im Sattel.

Heute ging ich mit Sue an ein Rodeo.

Es gab zwei wichtige Momente.
Erstens das Gruseln, bei der Nationalhymne aufstehen zu müssen (ich bin aufgestanden!)
und zweitens zu sehen wie die besten Reiter und Reiterinnen voll mit dem Arsch in den Sattel knallen beim Trab.

Aber das Lernen geht weiter: auf der Rückfahrt sagte Sue man könne MIT oder GEGEN den Rythmus des Pferdes "boncen".
Ich arbeite dran ....

Pferdeverstand

Pferde sind Fluchttiere, wenn ihnen etwas Angst macht oder auch nur komisch vorkommt, dann laufen sie davon.
Es braucht viel Training um sie davon abzuhalten. Flucht hört sich nach Feigheit an, heute am Rodeo lernte ich Pferde aber von einer ganz anderen Seite kennen.

Der Job ist, ein Rind mit einem Lasso zu fangen. Das Rind steht in einer Startbox. Das Pferd mit Reiter seitlich dahinter.
Wenn das Rind aus der Box gelassen wird, rennt es los und Pferd undd Reiter müssen es fangen.

So weit die Theorie ... das ist mehr oder weniger langweilig und irgendwie ein Cirkusnummer, die mal besser, mal schlechter klappt. Man kann das aufregend finden ... ich finde es doof.

Was mich jedoch umgehauen hat, ist die Pferde anzuschauen.
Wenn man diese immer etwas gleichmütigen, meist friedfertigen Fluchttiere so sieht, mag man kaum glauben was für einen Jagdtrieb sie entwickeln können.

Das Pferd steht also neben der Box, 2-3 Meter nach hinten versetzt, es fixiert das Rind in der Box mit beiden Augen, zuckt mit keiner Wimper, der ganze Körper ist angespannt als wenn man eine junge Birke zu Boden biegt.
Das Rind hat kaum eine Chance gegen das Pferd, bevor es den ersten Schritt aus der Box gemacht hat, ist das Pferd schon neben ihm.
Mit einer Konzentration die ich einem Raubtier zuschreiben würde - aber niemals einem Pferd - bleibt es direkt neben dem Rind, lässt es niemals aus den Augen, serviert es dem Reiter auf dem Tablett.
Das Pferd macht nie einen Fehler, es macht seinen Job perfekt. Die Reiter machen Fehler, sie bekommen die Schlinge nicht über den Kopf vom Rind oder es entwischt ihnen sonstwie.
Falls jedoch das Lasso richtig um den Hals des Rinds liegt, bleibt das Pferd mitten aus dem vollen Gallopp, den es 3 Sekunden vorher erst begonnen hat, auf dem Punkt stehen. Es hält völlig selbstständig, das Rind immer im Blick, mit absoluter Genauigkeit, das Seil straff während der Reiter sich mit dem Rind abmüht.

Ich war plötzlich verdammt froh, dass Pferde Fluchttiere sind und keine Raubtiere. Wir hätten nicht mal die kleine Chance die das Rind gegen das Pferd hat, wir hätten gegen ein fleischfressendes Pferd nicht mal die Idee einer Chance.

Die Menschheitsgeschichte wäre verdammt anders verlaufen - in diesem Fall.
... ist sie aber nicht!

Ich sitze also friedlich auf Gus undd erzähle ihm eine Geschichte - der getreue Leser sieht also, ich nerve nicht nur Menschen mit meinen Storys - während wir auf Eric warten.
Gus dreht seinen Kopf zu mir während ich so vor mich hin plappere, schaut mich mit einem Auge an und sein Blick scheint zu sagen: "es wäre auch O.K. wenn Du Deine Klappe hälst"

Ich bin also ruhig.
Später, unterwegs, merke ich wie gross mein Vertrauen zu Gus in diesen 4 Tagen geworden ist. Ich lenke ihn nur noch wenn es unbedingt sein muss, ansonst spüre ich, er weiss viel besser als ich wie wir die steilen Hänge rauf oder runter kommen, wie man auf Geröll geht ohne sich den Hals zu brechen und wo es nach Hause geht ...
... das ist der einzige Punkt, wo Gus uns ich uns nicht so einig sind.

Er verarscht mich nach wie vor, manchmal wechselt er ganz langsam, fast heimtückisch die Richtung, dann scheint sein Schritt ein wenig beschwingter und dass er nicht vor sich hinpfeift, ist echt alles.

Ich falle machmal drauf rein undd merke es nicht. Dann ruft Eric "he goes home" ... aber meistens komme ich dem Burschen drauf, ich muss dann lachen ... dann muss ich ihm ein wenig zeigen wo ich lang gehen will.
Das Geräusch was Gus dann mit den Lippen macht hört sich so deutlich wie der leicht unterdrückte Fluch "Shit" an, dass ich noch mehr Verrtrauen zu ihm bekomme.
Denn wenn ich Gus währe und hätte mich auf dem Rücken, würde ich auch versuchen heimlich nach Hause zu kommen und fluchen wenn man mich dabei erwischt.


The Real Wild West

"In the town where i `ve been born, lived a man who sailed to sea, and he told us of his life ..."
Als Kind hörte ich das Wort "Seemannsgarn" und hatte nicht wirklich eine Vorstellung was das ist. Ich dachte an Tauwerk, welches damit vernäht wird ... oder an Matrosenhemden in Weiss-Blau die mit ebenso gefärbtem Garn gemacht werden.
Viele Jahre später fragte ich einen Seemann, der schon lange an Land lebte und je länger je öfter Geschichten aus seiner Vergangenheit auf den 7 Weltmeeren erzählte, ob denn diese, teils phantastischen Erzählungen, wahr seinen.
Er guckte mich eine Weile ruhig an und sagte dann: "min Dschung, dat, wat ich dir da vertell, dat is ollerbestes Seemannsgarn, ne"(1)

Inzwischen wusste ich was Seemannsgarn ist, damit näht man gar nix zusammen ... na ... vielleicht doch ... doch dazu später.
Wenn Eric mir von den Indianern erzählt, die hier, auf dem Boden der jetzigen Ranch, ihre Siedlung hatten und mir die Abdrücke ihrer Tipis zeigt, dann weiss ich, ich bin am richtigen Ort um Reiten zu lernen.

Der wirkliche Wilde Westen, so sagte ich mir selber, das war hier.
Nun ist mir natürlich klar, die Geschichte fand nicht nur hier statt sondern überall auf dem Kontinent, vom Atlantic, zu den grossen Flächen der Prärie, über die Rockys bis zum Pacific, von Mexico bis hinauf nach Alaska.

Ich frage mich also, wie komme ich also dazu, zu sagen grad hier sei der richtige Wilde Westen.
Um nicht ohne Antwort zu bleiben, konfrontierte ich Sue mit meiner Frage. Ich erwartete so halb, sie würde über meine, ein wenig infantile, Vorstellung lachen.

Tat sie nicht! Sondern sie zeigte auf eine grasüberwachsene Felsengruppe in vielleicht 250m Entfernung und sagte: "Yes ... you know who the Marlboro Man is? The pictures you see in the comerciales are shoot over there"(2)

Da war mir klar, warum ich glaubte ausgerecht hier sei "Wild West" - ganz einfach, dies ist vielleicht der schönste Flecken Erde den ich je gesehen habe. Ein Ort, an dem ich jeden Moment erwarte eine Gruppe halbnackter Krieger auf kleine gescheckten Pferden hinter der nächsten Bodenwelle zu treffen, ein Ort an dem ich fünf Coyoten, einer hinter dem anderen, am Horizont entlangen ziehen sah, seelenruhig und unbeeindruckt vom Gebell von Blue und Sandy, ein Ort von dem Eric mir - ich höre die Bewegtheit in seiner Stimme - sagt "this was a holly place of the Indians"(3) und andächtige einen Moment sein Pferd anhält bevor er weiter reitet, ein Ort an dem er eine gefunden Pfeilspitze mir zeigt, 3000 Jahre alt und so scharf, dass man damit  sie -jetzt- auf einen Pfeil setzen könnte um  loszuziehen auf die Jagd.

Zurück zur Geschichte mit dem Marlboro Man.
"... even if this would have been not the "real wild west" I would have written this in my blog, because it looks like. But its of course much more nice, its the truth"(4) antwortete ich Sue auf ihre Bemerkung hin.

Seemansgarn näht wohl doch etwas zusammen, die Wahrheit und die Phantasie.
Denn die reine Wahrheit ist soviel wert wie eine tote Katze (5) lebendig wird sie erst wenn sie mit unserer Phantasie verbunden wird.

Übersetzungen/Fussnoten
  1. Mein Junge, das was ich Dir da erzähle, das ist allerbestes Seemansgarn, nicht wahr.
  2. Ja ... Du weisst wer der Marlboro Mann ist? Die Bilder die Du in der Werbungs siehst, haben sie dort drüben aufgenommen.
  3. Dies war ein heiliger Ort der Indianer.
  4. ... selbst wenn dies nicht der "wahre Wilde Westen" gewesen wäre, ich würde es trotzdem im meinem Blog so geschrieben haben, weil es so aussieht. Aber es ist natürlich netter, wenn es die Wahrheit ist.
  5. Den Wert einer toten Katze kann man nicht beziffern, denn weil sie gar nichts wert ist, ist sie gleichzeitig alles wert. Dieser Gedankengang stammt nicht von mir, sondern von Salinger.










Sonntag, 4. August 2013

Colorado

Colorado
Gus ist 20 Jahre alt und hat mir heute das Reiten beigebracht.
Ich hatte Angst vor Pferden, doch Gus hat sie mir genommen auf seine ruhige unkomplizierte Art.
Manchmal musste er mich korrigieren, wenn ich zu grob mit dem Zügel umging, manchmal musste er mir zeigen wo der Weg ist zu Reiten, aber ich kann sagen, ich habe gern von ihm gelernt, denn Guss versteht wirklich viel von Reiten und von Pferden.
Nun bin ich, gestern .... nachdem ich die Prärie mit dem Auto durchquert habe (übrigens eine Halbsteppe) und meine Zeit in Santa Fe in den Bars verbracht habe, nachdem ich den Abend mit einer spirituell-philosophischen, indischen Koch- und Lebenskünstlerin verbrachte ... endlich auf der Ranch angekommen.

Fast 3000 m ü. N.N. liegt die Badger Creek Ranch in den Colorado Rocky Montains.
Eine Landschaft, die den höheren Alpen nicht so unähnlich ist. Es sieht anders aus hier, aber eine Alp bleibt eine Alp auch in Colorado, mit Kühen darauf und Elchen und Coyoten .... O.K. da hören die Ähnlichkeiten dann langsam auf ... und Bären und Du musst eine Stunde reiten um eine Wiese zu überquern ... ein wenig grösser einfach alles.
Nur die Berge sind kleiner ... nicht ganz so hoch wie die Alpen, was ihrer Schönheit jedoch keinen Abruch tut.
Sue und Eric gehört die Ranch ... obwohl Eric sagt ... "nothing belongs to me" ... was ich gut verstehe ... so ein Land kann man nicht besitzen ... irgendwie gehört es nur sich selber.
Indianerland ... das ist keiner meiner bunten Umschreibungen! Ich sah die Veränderungen in der Grasnarbe, wo ihre Tipis standen, Guss und Eric haben mich hingebracht.

Ich mag die Schweiz, doch dieses Land hat eine Grösse und Schönheit die mir manchmal den Atem nimmt. Ich stehe da wie ein Kind und kann nur noch "ooh" sagen.

Ich will diese Behauptung nicht leer lassen. Darum male ich sie, mit Deiner Hilfe, für Dich aus.
Also: stell Dir eine Alp vor und eine rechts daneben und eine links daneben und eine davor und eine dahinter.
KEINE BERGE dazwischen, das ist wichtig!! ... die kommen später.

Nun nimm dies 5 Alpen (KEINE BERGE DAZWISCHEN) und stell Dir das ganze Paktet nochmals vor, einmal davor, einmal dahinter, einmal rechts einmal links.
Dies Spielchen  treibst Du weiter, so lange Du Lust hast.
Dazwischen plazierst Du geschickt ein paar Wälder mit Birken, ein paar Wälder mit Kiefern und ein paar Wälder die schöner sind als Du Dir jetzt grad vorstellen kannst mit Bäumen, die Du noch nie gesehen hast.

Dann eine Menge Felsgruppen um die sich malerisch einige klare Bäche winden.
Über all dem einen blauen Himmel mit weissen Wolken.

Wenn Du Dich auf dieser gigantischen Fläsche, denn Du kannst unheimlich weit über die grünen wogenden Alpen (Plural von Alp!) schauen, umschaust, dann siehst Du im Süden, etwa 30 Km entfernt, eine dunkle Wolke aus der grade, in Kaskaden, ein Schauer fällt.

Du drehst Dich ein wenig nach rechts und dort tobt in einer Entfernung von vielleicht 25 Km grad ein Gewitter mit gleissend hellen Blitzen, deren Donner Du nicht hören kannst, weil es zu weit weg ist.
Im Norden sieht alles ein wenig langweilig aus, einfach eine Wolkendecke und im Osten reisst diese grade auf und ein Sonnenstrahl mit dem Durchmesser einer Kleinstadt bricht hervor.
Du selber bist, wie gesagt unter blauem Himmel, inmitten Deiner 35.247 Alpen (immer noch der Plural von Alp!)

JETZT! Jetzt erst!! ... beginnst Du Dir ganz weit im Hintergrund eine Bergkette vorzustellen und wenn Du noch magst eine kleine Stadt am Fuss dieser Berge, die kannst Du jedoch auf die Entfernung nur als hellere Strukturveränderung der Landschaft wahrnehmen.
DAS etwa ist Colorado und DAS ist wo ich grade bin und wo ich gestern und heute durchfuhr und durch ritt.
... und wenn sich das alles ein wenig übertrieben anhört für Dich, dann komm her und wir machen zu zweit "ooh".

Zurück zu Gus und Eric und Sue.
Sue kocht für uns und ich mag ihr Essen. Eric ist der Reitlehrer und hat mir die ersten Schritte beim Reiten erklärt. Gus ist der Leader (die deutsche Übersetzung spare ich mir).

Gus ist ein wenig grösser als ich und hat neben seiner angenehm-unkomplizierten Art die Angewohnheit seinen Kopf an mir zu reiben.
Er isst am liebsten aus einem Eimer, den er immer umkippt und selber wieder aufstellt. Er riecht ein wenig nach Pferd, was ich aber sehr angenehm finde.

Ich muss manchmal über ihn lachen, weil er versucht mich zu verarschen, aber er macht es immer so, dass ich es merke.
Gus und ich wurden gleichzeitig müde, nach vier Stunden Reiten, ich merkte es an der Art wie er dahintrottete und mir tat langsam der Hintern weh.
Zwei alte Männer, die froh waren heim zu kommen und dankbar waren, für einen Eimer Hafer, frisches Wasser und Sue`s gutes Essen.

Mittwoch, 31. Juli 2013

SAME, SAME BUT DIFFERENT

Ein Monat USA ... hier meine persönlichen Erkenntnisse.

Ich bin es ja schon vom Transfer Deutschland - Schweiz gewohnt, alles ist irgendwie ähnlich und doch ganz anders.
Mit USA ist es ebenso - ich hab mich sehr schnell zurechtgefunden und wohl gefühlt.

THEMEN:
  • Sicherheit
  • Cool bleiben
  • Strassenverkehr
  • Menschen
  • Kommunikation
  • Fern-Kommunikation
  • Hotels
  • Alkohol
SICHERHEIT / KRIMINALITÄT
Meine Sorgen betreffend hoher Kriminalität haben sich bisher überhaupt nicht bewahrheitet. Zum Teil wohl daher, dass ich die Südstaaten meide, zum Teils sind jedoch die Berichte in den europäischen Medien massiv einseitig.
Was aber - wenn man hier fernsieht - nachvollziehbar ist: 60% Werbung und Sport und 25% Horrormeldungen, die restlichen 15% ist ansehbar ... mehr aber auch nicht!
Verständlich, wenn einige europäische  Journalien ihr Süppchen daran wärmen. Vertändlich aber voll fürn Arsch.

Noch nie hab ich mich in einer Grossstadt so sicher gefühlt wie in New York.
Klar - wenn mans drauf anlegt - und mit Dollarnoten oder goldenen Credikarten rumspielt und nachts damit durch die dunkelste Hinterhofgasse läuft ...      dann erhöht man seine Chancen auf einen gepflegten Übefall erheblich, aber immer noch weniger in New York als in Frankfurt a.M. - dünkt mir.

Gestern in der Nacht bin ich von Downtown Santa Fe zurück ins Hotel gelaufen.
Die Strassen schlecht beleuchtet und ausser mir und zwei Männern die mir entgegenkam - niemand in der Nähe ... ein wenig mulmig wurde mir als die beiden auf dem schmalen Gehweg näher kam.
Sie machten höflich Platz sagten brav "hi" und weg waren sie.

ICE
Ich hab 3 Tage und zwei Walmarts gebraucht, bis mir klar wurde, dass das europäischen KühlboxSystem mit den blauem KühlAccus hier nicht existiert.
Wie auch sollte ich das rauskriegen? ... was sollte ich fragen? ... wie kühlt ihr Euer Bier beim Camping?
Einmal hab ich gefragt, hab eine Kühlbox gezeigt und von "Cooler" and "blue" gefaselt.
Die Antwort war: "nein den Cooler gäbs nicht in blau" plus ein besorgter Blick.

Also, was tut der kluge Sozialpädagoge: beobachten.
Durch mir Zeit nehmen und beobachten hab ich übrigens sehr viel gelernt.
(s. Kapitel Autofahren)

Die Lösung ist letztlich simpel: kauf Dir einen Kühlbehälter, tu Dein Bier rein und kipp Eiswürfel drüber.
Die Eiswürfel gibts an jeder Tanke in Plastiksäcken in 2 Grössen und in jedem Hotel direkt aus der Eiswürfelmaschine.
... und!? ... sagte mein stets besorgter deutscher Verstand, wenn das Eis schmilzt, dann wird ja alles nass. Lösung: kauf nur Sachen denen das nichts macht, oder ... wenns denn sein muss pack es in eine Tupperware - dafür hat der liebe Gott die ja schliesslich erfunden.

AUTOFAHREN
Hier gilt besonders: same, same but different.
Ein paar Sachen hatte ich schon erzählt, aber ich weiss nicht mehr was.
Drum: Gnade wenns doppelt kommt!
Vorfahrt
Kannste im Internet nachlesen wie das geht! ... in der Theorie!
Die Praxis ist viel angenehmer. Fahr einfach völlig entspannt an die Kreuzung ran.
Bei gleichberechtigten Strassen haben alle ein Stopschild.
Bleib locker - es geht wie von allein!
Wer zuerst da ist, der hält trotzdem an. Dann fährt er langsam! los, der Zweite wartet einfach in aller Seelenruhe bis der durch ist und startet dann ebenfalls langsam.

Do`nt Panic ... auch wenn es mal nicht so klappt ... niemand dreht durch und fuchtelt rum.
Im Zweifelsfall warte einfach bis der Andere genug hat vom Warten und langsam und stückweise in die Kreuzung rollt.

Autobahn
Autobahn ist die Interstate. Sie sind mindestens 4spurig im Bereich der Städte aber auch mehr. In Toronto hab ich mal 18 Spuren gezählt.

Dazu kommen noch die Serviceroutes - meist eine zweispure Strasse recht und/oder links der Interstate ... manchmal sind die Serviceroutes aber auch vierspurig ... beidseits. Trotzdem gibts kaum Verwirrungen, denn erstens ist alles gut Beschilder und zweitens, wenn Du Dich mal verfährst, nimmste einfach die nächste Ausfahrt und korrigiertst es.

Auf der Interstate ist Höchstgeschwindigkeit -je nach State zw. 65 und 75 mph.
Ich empfehle: halte Dich dran ... die Sheriffs sind unterbeschäftigt ihren Bierbäuchen nach zu urteilen und warten nur drauf Dich am Arsch zu kriegen.

Ich hab den Tempomat "Cruise" einfach immer auf die Höchstgeschwindigkeit gestellt und mich treiben lassen.
Die Trucks fahren meist schneller, so um 5 mph ... Du kannst auch mit denen schwimmen, die wissen was sie tun. Vorsicht, es sind immer ein paar wenige Desperados darunter.

Angenehm ist, es gibt fast keine Raser ... man kann sehr ruhig und gleichmässig fahren und spart so Benzin und Nerven (Benzin heisst Gas - nicht Petrol!)
Um die paar Durchgeknallten kümmert sich der Sheriff persönlich. In Texas und Oklahoma betreut er sie ein ganzes Jahr lang in heimeligen, geschlossenen Einrichtungen.

Die Interstate sind nach Richtung nummeriert: grade Zahlen west-ost / ungrade nord-süd.
Wenn Du auf der Interstate fahren willst, weisst Du am besten vorher in welche Himmelsrichtung Du willst.

An der Auffahrt steht nicht "St. Louis" o.ä. sondern z.B. "40 West" ... also guck auf die Karte
GPS ist sinnvoll - aber wie immer ... Du brauchst für kompliziertere Strecken ... eben, eine Karte.
... und mitdenken ist auch ganz gut ... nicht so wie ich, der dann nachts um 1:00  irgendwo in der Pampa stand, weil ich meinem GPS blind gefolgt war.

Nochmal für alle Kontinentdurchquerer und Landstrassenliebhaber: GPS, Karte, Hirn einschalten!

Tanken
Wie das mit den Creditkarten beim Tanken geht, ich weiss es immer noch nicht!
Schande über mich aber es klappt nicht. Alles geht damit, Hotel, Supermarkt und Starbucks, nur die verdammte Gasstation nicht.

Also bar zahlen: ... meistens muss man erst zahlen. Du nennst die Nummer der Zapfsäule an der Dein Auto steht, nennst einen Betrag, bezahlst und bei der entsprechenden Gallonzahl schaltet die Pumpe ab. Wenn Du weniger brauchst, hol Dir den Rest einfach wieder.
Die Menge wird in Gallons gemessen, das sind knapp vier Liter. Preis z.Zt. $3.70, also grob umgerechnet 90 Rappen der Liter.

MENSCHEN
Ein verflucht schwieriges Kapitel ohne jede Garantie.

Eigentlich wie überall. In den Städten meist freundlich und offen, auf dem Land eher! maulfaul und verschlossen.

Auffällig, auf dem Land viele sehr Dicke, meist Frauen. In der Stadt eher weniger.
Dafür die Männer: es scheint in der Pampa grad grosse Mode zu sein, ein völlig verdrecktes weisses T-Shirt und eine mindestens so dreckige Jeans zu tragen. Bartstoppeln und Öl im Gesicht machen den Look perfekt. Wenn man dann noch stinkt wie ein toter Elch, ist alles geritzt.

Kein Witz, die Typen kokettieren damit, Originalton: "yeah Baby, first I hav a shower, than we both talk again" ... und sie kichert!! ... man glaubts nicht! ... und der Typ sah echt dumm aus wie `ne leere Brieftasche.

In der Regel sind fast alle freundlich, einfach so ... niemand erwartet was dafür. Aber ein paar Blödies sind - wie überall - auch darunter ... etwa gleich viel wie in "CH" und "D".
Ansonstens gilt: Weniger Misstrauem bringt Mehr!

SPRACHE
Wird immer schwieriger je weiter ich in den Süden komme. Mit 35 Jahre altem, verrostetem Oxford-English kriegt man hier grad noch das Nötigste hin.

Bei Verständigungsschwierigkeiten kokettiere ich dann mit dem schlecht Verstehen und lächle ein wenig blöd dazu. Das wirkt! Echt ... sie bemühen sich deutlich zu sprechen und lächeln glaubs viel über mich.

Ausländerfeindlichkeit Fehlanzeige ... aber ich bin eben weiss und meist ordentlich angezogen undd fahre ein neues Auto. Das wirkt!

TELEKOMMUNIKATION
Telefon: supereasy! Billigste Variante: Kauf Dir ein Cellphone bei AT&T für $20,- , lass es prepaid per Minute abrechnen und los gehts.
Internet: bisserl komplizierter: AT&T hat die beste Netzabdeckung in USA, bietet zwar den Tarif an aber nicht das Gerät.

Nach einer Weile Sucherrei hab ich ein "Hotspot" bei T-Mobil gekauft für $75,- plus $30,- für einen Monat Internet.
Leider ist T-Mobil eher dürftig in der Netzabdeckung und funktioniert nur in/um den/die Städten und entlang der grösseren Verkehrswege. Ausserdem ist der Spot nicht ganz so hot wie sein Name glauben machen möchte. Gegen ein kabelgestützes WiFi kann er nicht anstinken. Ein Bildchen runterladen dauert da schnell mal 3-4 Minuten ... bei voller Empfangs-/Sende-Kapazität.

Aber dann gibts eben in fast jedem Laden - in den Städten - "free WiFi" und in den meisten Hotels.
Bei Starbucks fragt niemand ob Du was konsumierst, die lassen Dich stundenlang bloggen.
Sie wissen ja, irgendwann braucht jeder mal einen Kafi oder ein Smoothy oder irgendwas Süsses. Haben sie schlauerweise alles im Angebot.

HOTELS
Irgendwo bereits erwähnt: mein Favorite ist "Best Western" ... eigentlich in jeder mittleren/grösseren Stadt und an den Interstates auffindbar.
Preis - je nach Lage 65,- bis 120,- $.
Meist auch unter indischer Leitung, aber echt sauber und incl. Frühstück.

Nähe zur Downtown und Nachfrage ist ausschlaggebend für den Preis.Echt miese Absteigen, mitten im Touri-Gebiet sind sauteuer ... $150,- ++
Ein paar Kilometer draussen kostet es dann die Hälfte.

Meine beiden Extreme
"Hood`s Hotel/Raststätte/Tankstelle" an der Interstate 40 für $55,- o. Früst. ... Quali. O.K.
"The Sleepy Hollow" auf Cape Cod, bestenfalls!! mitt. Quali. für satte $250,- o.Früst.

Abfragen bei der Buchung für Kontinentalüberquerer die fast!! im Auto wohnen:
Preis, free WiFi, Frühstück, Waschmaschine, Wäschetrockner, Ice-Maschine, Zimmer  vorher angucken!!, Klimaanlage (nicht nur im Süden - New York ist heiss im Sommer) und mach deutlich, wenn das WiFi zwar vorhanden ist aber mies arbeitet, dann willst Du wieder gehen (hat bei mir funktioniert - ich bekam ein Zimmer näher an der Antenne)

Kein Frühstück im Hotel
Ich hatte immer einen kleinen Spirituskocher im Kofferraum, wenn es kein Frühstück gab, dann gabs bei mir eben InstantCoffee mit Kafiweisser (CoffeeMate).
Dazu diese wunderbaren MiniMuffins mit Blaubeeren/Heubeere drin von Walmart ... O.K. das wird jetzt dann doch zu privat!
Den Spiritus gibts allerdings nur in den HardwareShops ... vergleichbar einem Handwerkerladen oder Eisenwarenladen... dort heisst das Zeug "Denaturated Alocohol" und meist wissen die Verkäufer nicht mal, dass sie es führen.
Also ganz hinten im Ecken, bei den Farben und Abbeizen oder Putzmitteln usw. selber schauen.

ALKOHOL
Ich habe in nun genau einem Monat in USA nicht einen Besoffenen gesehen. Ich denke die Obdachlosen kübeln ... aber aber auch die lassen sich -scheints - nicht blicken wenn sie voll sind.

Abends in den Bars wird wenig getrunken, manchmal bin ich der Einzige der ein Bier vor sich hat. Das liegt auch daran, dass viele noch ins Auto müssen und dann ... eben! ... der Sheriff wartet schon ... der hat Zeit und lässt sich derweil den Präriewind um die Nase wehen ...

Nein! ... noch nicht fertig mit Staatsgewalt! Heute dann kam der ÜberHammer: ich wollte im Walmart ein Sixpack kaufen, sagt die Senorita an der Kasse: "Your ID please!" Ich frage was das soll, sie knurrt was auf spanisch. Ich erkäre ihr, dass ich aus Europa bin und das nicht verstehe, warum muss ich meine ID zeigen wenn ich sechs Dosen Bier kaufe.
Sie muss sich sichtlich zusammennehmen erklärt mir aber doch: wenn ich einen Unfall hätte und es stelle sich raus ich habe vorher Bier gekauft, dann sei das auschlaggebend in einem Gerichtsverfahren.
Da hauts dem Fass den Boden ins Gesicht! ... der Sheriff muss gar nicht mehr im Steppengras liegen und auf die bösen Suffköppe warten! Nö, der stellt ganz cool eine Verbindung zu Walmart her, guckt wer grad Bier kauft, macht einen Halter-Kennzeichenabgleich und hält den armen Vogel einfach an! Soweit meine böse Phantasie !
Wenn Du denkst, macht ja alles nix, ich hab das Bier ja nicht getrunken. Pustekuchen ... schon das Mitführen in der Fahrgastzelle, sprich die direkte Zugriff vom Fahrersitz aus ist strafbar. Darum hab ich mein Bud im Kofferraum im Cooler.
Der Senorita hab ich das Bier da gelassen.

Ich trinke dann am Abend eins im "Coyote Café" und geh zu Fuss heim und winke dem Sheriff, wenn ich ihn im Gras sehe, freundlich zu.

Allgemein
Do`nt worry ... nach einer Woche klappts ganz gut ... bis auf den Mist mit der CreditKarte an der Tankstelle.

Dienstag, 30. Juli 2013

Santa Fe



Ich hatte keine Ahnung was Santa Fe ist, wie auch, wenn ich eben nie Reiseführer lese.
Mein GPS spinnt mal wieder - dachte ich - es zeigte mir 2200 m üN.N. an.









Gestern der Tag begann mit einem Frühstück, dem üblichen in USA-Hotels, mit Bratkartoffeln und Hackfleichröllchen und Kafi und KonfiBrot und Organensaft.
Kein so übler Start.

Der nächste Höhepunkt war, als ich plötzlich am Horizont Schatten endeckte.

Wie der Matrose im Krähennest, draussen auf dem  Ozean, dachte ich in dieser wogenden Ebene zuerst "Wolken!"
Aber die Wolken blieben stahlblau in der immergleichen Form, wurden nur langsam grösser.
"LAND!!!" ... ich hatte Land entdeckt im Grasmeer.
Ganz weit hinten, unter den Wolken, die Rocky Mountains

Was sich da, immer deutlicher, in Nord-SüdRichtung vor mir erhob war nichts geringeres als die Rocky Mountains.
Aus dem fahrenden Auto heraus (die Strassen sind über viele Meilen schnurgrade und es hat viel weniger Verkehr als in ""D" oder "CH". Also Lenkrad mit den Knien festklemmen, Kamera suchen, einstellen, ein Auge auf der Strasse, das andere auf dem Display, wie in Chamälion und "click" ... ) hab ich das erste Foto gemacht von diesem erhebenden Moment.

Warum der Moment erhebend ist? Keine Ahnung!! Probiers mal aus! Fahr mal mit dem Auto von N.Y.C. nach Westen ... drei - vier Tage lang ... dann weissst Du es.


Dann bei nächster Gelegenheit angehalten und einfach nur dagestanden.
Dann noch mehr Fotos, aber keines von denen kann diesen Moment gerecht werden.

Vor lauter Gegucke und beeindruckt Sein verpasste ich anschliessend die Abfahrt nach Norden.

Ich sagte der Route 66 noch schnell "ciao" und  benutzte den "Only for officials and emergency" - Weg zwischen den beiden Richtungsbahnen der Interstate.
(Nur möglich weil ... siehe () oben! ... aber achte gut auf halb im Präriegras versteckt geparkte, schwarz-weisse Autos mit rot-blauen Lampen auf dem Dach und auf der Türe steht in goldener Schrift "Sheriff")

Santa Fe beginnt - zum Glück - oder zur Schande mit einem Walmart. Dort wo der T-MobilShop sein sollte stand ein riesengrosse Supermarkt.
Die Frau an der Info vom Walmart hatte zwar genug zu tun aber ihr mexikanisches Temperament erlaubte ihr in aller Seelenruhe im T-MobilShop anzurufen und zu fragen wo sie jetzt ihr Geschäft haben.

Dort ging es völlig unkompliziert. Neue SIM-Card - kostenlos - 30$ für einen weiteren Monat Netzugang und fertig.

Dann zur Bank und ... unglaublich ... "yes we do, no problem" war die unerwartete Antwort auf meine schüchterne, hundertfach gestellte Frage, ob sie mir meine Franken für Dollar abkaufen.
Ich empfehle die  "Pueblo National Bank"! ... für 10$ fürs Banksäckel, machte "Suleika" (eine total mexikanisch ausschauende Frau mit arabischem Namen - die Welt schrumpft) alles im Handumdrehen, ohne jeden Umstand.
Meine Frage, ob Santa Fe eine Innenstadt hat, liess sie endgültig auftauen, sie nahm sich die Zeit am Bankschalter (O.K. - ich war derr einzige Kunde) eine verbale Infobroschüre zum Thema "Santa Fe" herauszugeben, einschliesslich Wegbesschreibung zum besten Parrkplatz, der, wie sich rausstellt, ihrem Onkel Sam gehörte.

Sam begrüsste mich mit den Worten "Today we have a special ...100$ for the first hour, every following hour is free".
Er schloss mich dann gleich in sein Herz - er hätte mich wohl ohne zu zögern in seine Familie aufgenommen - als ich ihm Grüsse von Suleika bestellte.
Wir beliessen es jedoch vorerst dabei, dass er mir für 5$ einen Parkplatz für 3 Stunden vermietete, normal war 2Std ... aber eben - ich kannte Suleika.

Santa Fe: Der erste Eindruck HEISS! Der zweite, viele Galerien und Künstlerseelchen und alles mit einem guten Schuss öko. Der dritte viel zu viele Touristen.

ABER: diese Stadt ist anders als alle anderen amerikanischen Städte, niedrige Bauweise mit terracottarotbraunen Fassaden, die den urssprünglichen Baustil (Adobee?) ... aus, mit der roten Erde verputzen Lehmziegeln, mal schlecht, mal recht, nachahmt/nachempfindet.
Alles in allem wohltuend fürs Auge - mal so ganz ohne die ProtzHochhäuser der anderen Städte.
Am Abend im alten Park ein FolkKonzert mit einer dermassen friedlichen Atmosphäre, dass sogar mir altem Nörgler wohl war. Viele lachende, freundliche Gesichter ein paar Leute tanzten - einfach so ... ohne Getue.

Dazwischen ein paar, durch nichts zu beeindruckende Nachfahren der Ureinwohner ... mit grossem Cowboyhut und noch grösserer Sonnenbrille (Nachts!!), ... ich glaube die halten alle Weissen und was sie so tun für "poco loco" ... aber die Bekloppten sind den Indianern ja heilig ... man sollte mal drüber nachdenken ob das nicht den Untergang ihre Kultur beschleunigt hat.

Ich kann wohl sagen, ich mag die Stadt. Sie ist bunt, mit noch bunteren Menschen und alle vertragen sich ... hier kann mans echt aushalten.
... und mein GPS spinnt ausnahmsweise mal nicht: Santa Fe liegt auf ca. 2200m.

Hitze und dünne Luft und zuviel Kafi am Morgen - haben mich nun ins immer gut gekühlte Starbucks getrieben -  noch ein Kafi und "free WiFi" lockten zusätzlich.

Das Hotel, in das ich eingekehrt bin, ist eher so lala - "6" heisst die Kette, wird, wie fast immer, von Indern geführt und ist ein wenig indisch-gammelig-schmuddelig.
Die Nacht habe ich im Innenschlafsack verbracht, weil das Laken aussah als habe es schon mal jemand benutzt und es sei dannach bestenfalls ausgeschüttelt worden.

Am Morgen habe ich mit dem indischen Manager das Thema erörtet.
Er stellte sich erfreulicherweise schützend vor seine Angestellten und behauptete das Laken sie frisch gewaschen.
Trotzdem ging er auf meinen Wunsch nach sauberer Betwäsche mit einem leichten Kopfwackeln ein und mit den Worten: "only because to make you feel well!"
Ich dachte zwar "fuck you!" aber machte ihn dann auch "feel well" und buchte eine weitere Nacht ... so ein sauberes Laken ist doch eine hübsche Aussicht!

Ich frage mich ob die Inder das devote Getue noch aus der Kolonialzeit unter den Engländern tradiert haben oder ob es in ihrer eigenen Kultur begründet liegt.
Jedenfalls hörte er mit Gebücklinge fast nicht mehr auf .. obwohl ich irgendwie den - natürlich sehr subjektiven - Eindruck gewann seine Unterwürfigkeit galt vor allem meiner Credit-Card.

O.K. ... es ist Mittag ... ich glaub ich wage mich mal aus dem schützenden Cocoon des Starbucks heraus und suche mir ein Plätzchen für eine gepflegte Siesta.

Im PhotoBlog stelle ich dann ein paar Bildchen zu diesem Text ein, es sind gestern am Abend dann über 90 Stück geworden - ich muss erstmal sortieren.

Montag, 29. Juli 2013

Steppe


Ich sollte wohl über die Steppe schreiben.
Wie soll man sie beschreiben? ... ich finde nicht so recht die Worte ... lösche zum x-ten  Mal den grad geschriebenen Text.

Weite: die kleinsten Gegenstände am Horizont, die grad noch erkennbar sind stellen sich als Berge heraus. Der Himmel macht 80% der sichtbaren Welt aus.

Gewitter über Santa Rosa, New Mexico 28. Juli
Wetter: grad jetzt während ich schreibe tobt ein Gewitter draussen, dass man über Kilometer ankommen sah, während der Himmel auf der einen Seite noch blau war, Nachtblauch, wurde es um das Gewitter herum schwefelgelb, weil die Sonne hinter den Regenvorhängen versank.
Es weht ein stehter warmer Wind von Süden.

Pflanzen und Erde: halbhohe Büsche, verdorrtes Gras, paprikaroter Boden, die Teiche und Bäche, die wenigen - rot wie gefärbt.

Wolken: gigantische Kunstwerke, trotz Weitwinkel unfotografierbar

Berge: zerbröselndes, karges rotes Gestein, Tafelberge ... nicht hoch aber eindrucksvoll.

Strasse: die Route 66 - immer noch in Teilstücken vorhanden kriecht wie eine schwarze Schlange mit gelber Mittellinie - scheinbar fast mühsam - über den steinigen Boden.

Tiere:
weniger überfahrene als im Wald, weil es weniger gibt. Mitten im Nirgendwo ein paar schwarze Rinder.
Dann ... aus sehr! grosser Ferne sehe ich eine grosse Menge einzelne Objekte dicht beieinander. Zuerst dachte ich es wäre ein riesiger Friedhof. Dann sah ich die Objekte bewegten sich.
Rinder, eingepfercht zu hunderttausenden, in der Nähe eine Fabrik mit einem grossen Schild "Western Best Beef" ... ein Schlachthof, lag ich doch gar nicht so falsch mit dem Friedhof.
Dann kam der Gestank von den Tieren - eine Mischung aus Kuhscheisse, Viehfutter und Angstschweiss (können Kühe schwitzen?)

Und natürlich die Heuschrecke, die sich während einer meiner Photostops auf einen Scheibenwischer setzte. Sie begleitete mich mehr als 250 Meilen bei bis zu 120 Km/h und stieg erst ab als ich das Auto (mit Absicht) an einer grünen Wiese parkte. Sie drehte sich noch kurz zu mir um, wackelte kurz mit den Fühlern - was wohl "danke" heissen sollte und sprang davon.

Was blieb mir noch von dem Tag?
Die Einsamkeit der Ranchen.
Die Stille der Route 66 gegen den Lärm der Interstate.
Mein eigens "ooohhhh" als ich über die erste Hügelkette kam von der man aus in diese Weite schaut.
Wie unsympatisch mir Texas vorkam, noch mehr Regeln im Strassenverkehr. Ein Jahr Haft wird per Strassenschild angedroht, bei mehr als 10 mph Geschwindigkeitsüberschreitung.
Die Bullenwanne halbgeduckt wie eine Hyäne im Steppengras. Ich hab ganz schnell gesehen das ich da rauskomme ... schnell aber nicht zu schnell.
Wie sympatisch New Mexico wirkt ... irgendwie unkompliziert.

Zeit für ein zweites Bier und Zeit zum Schlafen ... obwohl nun MountainZeit ist und ich die Uhr wieder eine Stunde zurückstellen durfte.

Samstag, 27. Juli 2013

Gürteltiere, Geier und Gebete

Mark Twai schrieb einmal "Der Bericht über meinen Tod war stark übertrieben".
Ebendies könnte man über die Route 66 sagen.

Ich wusste, sie war in der Nähe und dann stand ich plötzlich, auf der Suche nach einem Geldautomaten, in der kleinen Ortschaft Bourbon, südlich von St. Louis, vor einem Strassenschild, dass ich 2 mal lesen musste.
"Old Highway 66" stand da. (s. auch PhotoBlog 26.07.)

Am Abend zuvor hatte mir der CampingPlatzWart noch erzählt, die 66 - er glaube die gebe es gar nicht mehr ... oder nur ein paar Stücke ... irgendwo "over there ... " sagte er, dabei zeigte er nach Westen und bewegte die Hand 3x im Kreis, was "SEHR weit weg" heisst.

Ohne Geldautomat aber mit Kamera liess ich mich an der 66 entlangtreiben.

Ich weiss, ich neige ein wenig zu Übertreibungen und allzu bunten Vergleichen!
Jedoch ist es weder das Eine noch das Andere, wenn ich betone - ja schwören möchte! - man kann an dieser Strasse auf jeder Meile 100 gute Fotos machen.

Nur meine Abneigung gegen das ständige Anhalten und in Ermangelung von Haltemöglichkeiten auf der schmalen Strasse bewahrte mich davor, gleich in den nächsten Walmart zu rennen und mir eine neue Speicherkarte für die Kamera zu kaufen.

Ich mochte die Strasse sofort. Sie bewegt sich ganz eigentümlich durch die Landschaft.
Sie gräbt sich nicht hindurch, sie liegt wie ein Band AUF der Landschaft. Ihre Raine sind nicht ausgearbeitet, d.h. kein Seitenstreifen und die Bäume und Häuser und Friedhöfe ... einfach alles scheint irgendwie mit ihr verwachsen zu sein ... ja! ... das ist es: sie ist kein Fremdkörper in der Landschaft, sie gehört dazu, wie nur eine alte Landstrasse dazugehören kann.

Gestern führte sie mich durch eine meist arme Gegend.
Nur hin und wieder ein reiches Haus, zurückgesetzt von der Strasse, als wolle es nicht so recht mit diesem Schmuddelkind zu tun haben.

Verfallene Häuser, aufgegebene Tankstellen, verrostete Brücken. Manchmal hielt ich an um ein halb eingesacktes Haus zu photographieren. Dann merkte ich - da wohnt noch jemand - eine gelbliche Gardine bewege sich.
Nix wie weg - ich finde es furchtbar die Armut der Leute zu knipsen!

... noch ein Markenzeichen der armen Gegenden ist, das fiel mir erst heute, am 2. Tag auf der 66 auf, es sind keine Cops da!

Eben ... heute fuhr ich dann durch Farmland ... die Route 66 pfeilgrade ... denn Farmer sind Bauern und die haben es gern geordnet: Strassen in Schachbrettmuster, Gedanken im gleichen Muster ... ich weiss das ist böse! Aber genau das ist der Eindruck, der mich beschäftigt.
Die 66 jedoch ... welches Glück ... sie nimmt immer noch jeden kleinen Hügel mit und windet sich so in der vertikalen über das Land. Das macht sie unverkennbar - ich konnte sogar - später von der Interstate aus - erkennen wo ihre Reststücke lagen.

Denn kaum wurde es wohlhabender, hatte man ihr Seitenstreifen verpasst, teilweise war sie nicht befahrbar, teilweise verschwunden oder als Gehweg für eine neue Landstrasse benutzte oft auch als Parkplatz vor den Häusern und Fabriken.

Kaum wurde es wohlhabender, da waren sie wieder da - die Cops!
Sie cruisen so langsam vor sich hin, fette Weissbrote mit Sonnenbrille ... kreisen wie die Aasgeier.
Eine Weile fuhren sie hinter mir ... mal gucken ob der Typ aus Ohio einen Fehler macht ... hab ich aber nicht.


Überall Tafeln mit Bibelzitaten die Strassenränder ... erinnerte mich irgendwie an die DDR: 

"Die LPG Kleinpisnitz hat ihre JahresLeistung um 150% gesteigert!
Wir gratulieren den Genossen und Genossinnen im Namen aller sozialistischen Brüder"

An jeder Ecke Plakate mit Bekehrungsversuchen. Manchmal machen mir diese Christen verdammte Angst! So sehr Angst jedenfalls, dass ich mich nicht getraut hab die Schilder photographieren.
Ich bin im Bibelgürtel der USA angekommen.

Lassen wir das! ... und dann:
Ich hab heute mein erstes wildlebendes Gürteltier gesehen! Wobei ... lebend ... nicht zu wörtlich zu nehmen ist. Es lag überfahren auf der Strasse.
Ein paar riesige Krähen waren eifrig am daran herumhacken, ich fuhr langsam einen grossen Bogen um die Szene ... und sah ... es waren keine Krähen! Es waren Geier!
Eben die Aasgeier sind nur da wo es was zu holen gibt!

... und ich bin über die Route 66 in der (ehemaligen) Prärie angekommen.

Am Kühlregal auf der Raststätte stand ein dunkelhäutiger Mann, gross, schlank und mit starrem Gesichtausdruck schaute er sich die Getränke hinter den Glastüren an. Dann öffnete er eine, nahm ein hellblaues Getränk in die Hand, betrachtete es ohne jede sichtbare Regung und stellte es wieder zurück. An der Art wie er es zurückstellte dachte ich sehen zu können, dass er es nur hatte ungläubig betrachten wollen. Blaues Wasser ... wie in den Klos im Hotel.

Mein erster lebender Indianer ... und der lebte tatsächlich noch!

Später sah ich ihn wieder, er sass neben einem vergammelten Pickup, dessen Ladefläche voll Melonen war. Er trank Wasser -ohne Farbe! - mit geschlossenen Augen.

Drei Artikel

Nebenstrassen geschrieben 23. Juli `13

Irgendwie habe ich meinen Rythmus noch nicht gefunden.
Gestern bin ich wieder zu lange gefahren. So habe ich mir für heute eine kurze Strecke vorgenommen und mir als Ziel einen StatePark ausgesucht.
Jetzt bin ich jedoch bereits um 16:00h mit Zeltaufbau fertig und weiss so recht nix mehr zu tun.
Also - schreiben! .... es ist, ausser dem Fahren, das was mir Struktur abverlangt.

Heute am Morgen gabs im Hotel sogar ein Frühstück. Ich hab soviel ich konnte gegessen, damit ich nicht wieder grad in den nächsten "Subways" muss - mir ein Sandwich basteln lassen.

Nachher hab ich mich dann an die Routenplanung gesetzt.


Eine ganz einfache Rechnung soll mir helfen mich besser zu organisieren:
Bis Santa Fe  sinds ca. 2000 Meilen, ich habe ca. 10 Tage Zeit, also ... sind 200 Meilen pro Tag angemessen. Das sind ca. 350 Km ... eine ganz gute Leistung auf der Landstrasse.

Foot-Exit: dies noch einer der Kleinern.


Ich hab dem GPS ein paar Eckpunkte gesetzt und es ansonsten machen lassen.
Es führte mich durch zwei typisch amerikanische Landschaften.

Einerseits über sehr schmale, kaum 2spurige Strassen durch die riesigen Wälder - ich hab gestern schon davon erzählt.
Andererseits tauchte ein, für mich neuer, Landschaftstyp auf: die ColateralFläche der Interstate.

In USA (auch in Canada) sind die Raststätten selten direkt an derr Autobahn. Stattdessen gibt es sogenannte "FoodExits" direkt übersetzt etwa "Lebensmittelausfahrten" ... diese sind vorher angekündigt, mit ihren Attraktionen z.B. "BP-Tankstelle" "Mc Donalds" HolidayInn" "Höhlenbesichtigungen" usw. ... man fährt also von der Interstate ab und findet sich ein paar hundert Meter weiter in einer Art von Industriegebiet wieder, an einer Strasse neben der Autobahn stehen hier alle "Annehmlichkeiten" 24Std/d zur Verfügung. Essen , Schlafen, Tanken, Geld abheben ... vor allem.

Bisher habe ich, wenn ich die Interstates benutzte, diese "ausgelagerten Raststätten" ohne Gedanken benutzt und binn dann wieder auf die Autobahn.
Heute nun führte mich das GPS eine ganze Weile über den "Route 60", die sich nördlich und südlich um die Interstate 64 im Übergang West Virginia und Kentucky rankt.

Wie soll ich das beschreiben? ... zerstörtes Land ... das kam mir immer wieder in den Sinn.
Die ausgelagerten Raststätten liegen im Abstand von ca. 20-30 Meilen zueinander. Die Fläche die gebraucht wird, um die Autobahn zu versorgen, liegt an der Landstrasse und ist jeweils so 3 Meilen lang.
Das bedeutet, ich fahre auf dem Highway - also der Landstrasse, die in diesem Beereeich auch ganz deutlich "Serviceroute" genannt wird - etwa 15 - 20 Km weit, bis der Dunstkreis der nächsten "Versorgungseinheit" beginnt.

So schleppt sich wie ein hässlicher Gürtel neben der Autobahn eine gigantische Versorgungsindustrie durch das ländliche, bewaldete oder landwirtschaftlich genutzte Land.
In der Nacht muss es von oben wirklich ausschauen wie ein Kette mit neonleuchtenden Perlen daran.
Zwischen den "Perlen" vegetiert das Land so vor sich hin.
Diese ... ich möchte fast sagen "Negropole" oder Geisterstädte ohne Geist ... die Ansammlungen von ständig betriebsbereiten Tempelchen des Konsums ... in denen niemand lebt ... haben eine Sogwirkung auf das Umland ... und wenn es nur ist, dass die Dorfjugend sich hier ihren Kick abholt ... was ich hier gar nicht bewerten will ... und auch nicht kann.

Aber! ... die Sogwirkung ist da ... und ... befürchten darf ich! ... sie saugt etwas ab.
... und sie gibt vielen Menschen Arbeit ... fragt sich nur was für eine. Billy vom Berg putzt jetzt die WC ... kein Witz!! ... selber gesehen.

Nach dieser TagesReise bin ich nun auf einem GolfPlatz gelandet, der einen Campingplatz hat ... oder eben umgekehrt.
Ich koche mir nun ein Nachtessen, Kartoffeln, Schafskäse und Olivenöl ... dazu ein paar Tomaten ... und ein Bierchen.
…………………………………………………………………………………………………………..

Cops geschrieben 24. Juli `13

Ach ja ... dann ... auf der Suche nach einer Bank, die meine Franken in Dollar wechselt, hatte ich mich trotz … oder wegen GPS … total verfahren.

In einer Seitenstrasse traf ich zwei schwarze Cops auf Fahrrädern. Ich fragte sie nach dem Weg und sie fragten mich wo ich her komme und wo ich hin will - aber ... einfach so aus Interesse - echt kein Verhör.

Ich erzählte also von meiner Reise ... und wie ich bei der Stelle ankomme, dass ich von Frisco nach Honululu fliege, stieg der eine vom Rad, drückte den Lenker seinem Kollegen in die Hand, schnallt seinen Revolvergurt ab, hängte ihn über den Lenker und sagte zu mir "come with you!" ging ums Auto und machte meine Beifahrertür auf.

Sein Kollege beginnt zu schimpfen, zuerst mit mir … das sei nun meine Schuld, wie könne ich ihm auch so etwas erzählen … und mit dem Anderen … er solle sofort wieder seinen „Belt“ umlegen, er dürfe nicht bei mir einsteigen.
Die beiden fingen echt an zu streiten. Sie brüllten sich richtig an, hart, laut und schnell, so dass ich echt nix mehr verstehen konnte, ausser ein paar saftigen Schimpfwörtern.

Ich muss wohl echt saublöd aus der Wäsche geguckt haben, plötzlich hörten sie auf zu schreien und fingen beide an zu lachen, der eine ging vor lachen gekrümmt und holte sich Kanone vom Rad  wieder, konnte sich aber kaum das Ding umschnallen weil es ihn so schüttelte, dem anderen fiel das Fahrrad seines Kollegen hin, er legte seins dazu, setzte sich daneben auf den Boden und lacht und lachte, das er nasse Augen bekam und sie dauernd mit dem Hemdsärmel trocknen musste.

Als sie sich einigermassen erholt hatten - und ich auch -kam der eine an mein Auto und sagt im Verschwörerton ganz leise "Our  best  joke, man - you like it?"

Ich kann nur "yes" stammeln und "thank you" „realy good theatre“!

Dann standen sie beide neben meinem Wagen, reichten mir wie zwei kreuzbrave Chorknaben die Hände durchs Fenster, sagte „good luck“ und „have a nice trip“.

Der eine sagte nochmals „Honolulu“ da prusteten sie beide wieder los, versuchten auf ihre Räder zu steigen, was eine Weile brauchte und fuhren in  Schlangenlinien lachend davon
Sie hatten es dem europäischen Weissbrot so richtig gegeben.

Schwarze AmiBullen - echt der Hammer - nix als Blödsinn im Kopp!


................................................................................................................................


Endless Sky geschrieben 25. Juli `13

Dies Bild ist nicht von mir. Triffts aber!
Ich erinnere mich an die paar Tage, als ein Vulkan auf Island, einer mit einem unaussprechlichen Namen, soviel Asche in den Himmel blies, dass in Teilen der nördlichen Erdkugel der Flugverkehr eingestellt wurde.

Damals sass ich auf meinem Balkon, schaute in ebendiesen Himmel und war glücklich.
Kein Gedröhne, keine Kondensstreifen, die sich dann in Wolken verwandeln und den Sonnentag vermiesen.

Aber, da war noch etwas ganz anderes, was mich glücklich machte.


Plötzlich war wieder alles so, wie es sein sollte, die Menschen mit beiden Beinen am Boden und die Vögel - unangefochten - in der Luft. Irgendwie war die Welt wieder richtigherum.

Es gab wieder etwas, dass der Mensch nicht erreichen konnte und damit gab es auch wieder so etwas wie Antrieb und Sehnsucht - im Gegensatz zu dieser langmütig - langweiligen  "wir können alles" Haltung.

Michelangelo, so hab ich im Studium gelernt, war zwar ein Perfektionist und schuf unbestritten viele zeitlose und vollende Kunstwerke.
Aber er liess noch mehr unfertig stehen - weil er in der Lage war im roh behauenen Stein das fertige Werk zu sehen. Es interessierte ihn einfach nicht mehr. Er wusste er konnte es und damit war der Fall für ihn erledigt. Nur dann wenn es schwierig wurde (... oder wenn er Geld brauchte) dann vollendete er seine Stücke ... wenn also der Antrieb (die Notwenigkeit) und die Sehnsucht geweckt waren.

Nun liegt mir nichts ferner als mich mit Michelangelo zu vergleichen.
Aber Sehnsucht nach Unerreichbarem hat jeder in sich.

So - bin ich seit Tagen, mehr oder weniger vom Internet abgeschnitten.
Die Welt ist wieder so wie sie sein soll: wenn man reist, dann ist man eben nicht daheim, dann ist das Daheim eben nicht ereichbar.

Plötzlich, ich merke es grade JETZT! beim offline Schreiben,  ich reise anders!
Mehr für mich, mehr in dieser, dem Reisen eigenen Bewegung verhaftet, die dem Statischen, dem Daheim sein, oder dem Daheim direkt verbunden sein, gegenläufig ist.

Doch - ich mag natürlich beides - das Verbunden sein und die Bewegung ... beides zu verbinden ist die Schoggi im Kuchen.

Zu guter Letzt - der Himmel!
Nun sind die Flugzeuge schon lange wieder oben - auch gut, sonst wäre ich jetzt nicht in Amerika.

Denn hier ... das Land wurde tatsächlich flacher mit jeder Meile ... der aufmerksame und regelmässige Leser erinnern sich vielleicht - ich wollte nun dem Wald und den Bergen entkommen - obwohl ich sie doch so gern hab.

Denn hier ... um St. Louis wird der Himmel plötzlich riesig ... so gross und so weit wie ich es nur aus Norddeutschland kenne und von den Bildern von Emil Nolde.

Über mir für Stunden ein richtiger "Simpson-Himmel"...

ein kleines weisses Wölkchen wie getupft neben dem anderen, dazwischen BLAU ... und das alles bis zu einem unendlich tiefen Horizont über dem - nun ganz winzige - ganz weit entfernte - weisse Wölkchen ziehen ... dazwischen BLAU.

Ich machte in Gedanken eine Anleihe bei einem Freund: "endless sky"

Montag, 22. Juli 2013

Ein Bild von Amerika

Landstrasse versus Autobahn , das ist ein Gegensatz wie Arbeit und Liegestuhl.
Das Gegensatzpaar, was es mir jedoch wirklich antut dabei  ist: Îgnoranz und Interesse.

Interesse hat mit Sehnsucht zu tun und in Sehn/sucht ist das "Suchen" mit drin.
Ignoranz - das ergibt sich aus der Sache - hat mit rein garnix zu tun ... bestenfalls ... noch mit Bequemlichkeit.



Kurzum ... ich fahre lieber Landstrasse.


Heute den Highway 33 (Route 33) nach Westen - von Elkton am Fusse der Shanandoah Berge in Virgina bis Ripley in West Virgina.

Was mir bleibt davon, muss ich jetzt sofort aufschreiben, bevor es im Schlaf versinkt, obwohl ich - wie meist beim Schreiben - am Ende des Tages - hundemüde bin.
Ich hab mir ein Bier versprochen - wenn ich noch schreibe - Selbstmanagement für Spätpubertierende.

Als erstes kommt Wald ... ich fuhr fast 300 Meilen nur durch Wald.

Als zweites kommen Berge - niedriger als die Alpen aber höher als das Zeug im Entlebuch.
Meist in einer Höhenlage zwischen 300 und 1200 m ü.NN - so bin ich über heute über fünf Pässe oberhalb von 1000m gefahren und über drei knapp darunter.

Als drittes kommt Wetter - im Tal ist es jeweils so um 30°C warm, auf den Pässen um die 15°C - das ergibt einen Wetterpuzzle aus brennender Sonne, Nebel, Wolken (unter mir und über mir) Gewittern und Platzregen.

Als viertes die Vegetation . Grün, grüner am grünsten - fast jeder Baum sieht aus wie gemalt, vor allem nach dem Regen. Das Land ist zu gross um alles im Griff zu behalten auf den Strassen, Schlaglöcher und umgestürzte Bäume die in die Fahrbahn ragen sind fast normal.

Als fünftes ...leider ebenso normal - überfahrene Tiere - meist Bisamratten oder Waschbären, aber auch Rehe, Füchse und natürlich Katzen und Hunde ... sie liegen dort bis die Natur und die Sonne sie beseitigt haben.
Die Rehe sind - genau wie schon in den letzen Tagen - unglaublich zahm und frei von Fluchtreflexen. Mitten im Dorf stehen sie auf der Wiese zwischen den Häusern und äsen in aller Ruhe - aber eben - genau so unbedarft springen sie dann auch vors Auto - bisher hab ich Glück gehabt und konnte einem Waschbär (ich glaub die sind blöd!) und einem grossen Reh grad noch ausweichen.

Als sechstes Soziales. Es fällt mir immer wieder auf, wie schnell der Wechsel zwischen ganz ärmlichen, runtergekommen und fast zerfallenen - aber bewohnten! Häusern und Siedlungen einerseits und extrem peinlich gepflegten Anwesen andererseits ist.
Ganze Dörfer sehen hundearm aus, verrottende Autos dirket vor der Haustüre, die Stütze vom Vordach weggeknickt - das Vordach halbe unten.
Im Schaukelstuhl darunter ein junger Mann, der Kraft genug hat sein "Bud" zu halten und offenbar auch intelligent genug war es zu kaufen und zu öffnen ... aber keinen Antrieb hat mal die Karre zu entsorgen und eine Stüzte unters Vordach zu klemmen.
Dann ... um die nächste Kurve ... ein schneeweisser Lattenzaun wie bei "Dallas", dahinter auf  wohlgeformt und sanft geschwungenem Terrain ein Rasen, dem man ohne weiteres 200 Jahre perfektes englisches Gärtnerhandwerk ansieht.
Hinter dem Rasen durchdacht gesetzte Ziersträucher, überragt von riesigen Ahornbäumen, am Boden kein einziges Blatt. Im Hintergrund, wie eine Schlagrahmhaube, ebenfalls schneeweiss: Das  Haus mit vier klassischen Säulen vor der Tür - ne ... nix Tür!! Ein Portal mit griechischem Giebelspitz!

Weder bei den Bruchbuden  (ich bin ganz sicher hinter dem Schaukelstuhl steht `ne abgesägte Schrotflinte griffbereit) ... noch bei den Feinpinkelhütten, mag ich zum photographieren anhalten, bei denen hab ich den Eindruck, da kommen dann gleich zwei Jungs in massgeschneiderten schwarzen Anzügen und Sonnenbrille ... o.k.!!! .... genug der Paranoia!
Ich mag eben einfach nicht den einen oder anderen zu Zootier machen.

Die Route 33 ist hinreissend in ihren Widersprüchen.
Nichts passt zueinander und zusammen ergibt es ...
... ein Bild von Amerika!



Sonntag, 21. Juli 2013

Zweite Wanderung


Heute sollte es zu den "Lewis Falls" gehen.
4 Meilen (ca. 7 Km) ein Rundweg - endlich mal, denn ich gehe nicht gern zurück.
Die meisten Wegbeschreibungen enden mit "... simply retrace your steps" ... eben ... nicht so meins.

Nun scheint es, als habe ich mit Wasserfällen nicht so viel Glück - auch diesmal nicht.

Als ich mich um auf den Weg machen wollte - nach Z`morge, Wäsche waschen, rasieren und duschen, alles bereits tiptop vorbereitet - zog ein Gewitter mit heftigem Platzregen über die Berge.

.
Innert Minuten war es dunkel wie am späten Abend und das Wasser schoss über alle Rinnen.
Nach einer Stunde ging das Gewitter in einen normalen Regen über, der noch eine weitere Stunde anhielt.

Danach fuhr ich erstmal zum Zelt, schauen ob alles dicht geblieben war.
Soweit O.K. ... nur auf der Unterlegplane einige kleine Pfützen.








Das Wetter wurde besser und ich starte zum zweiten Mal.


.
`clic` ins Bild zum vergrössern

Schon nach einem Kilometer umfing mich der Wald mit einer herrlichen Stille.
Die Sonne schien durch die Baumkronen auf den nassen Farn und alles schien zu glänzen wie frisch geputzt.
Ich kam nicht so recht vorran, da ich dauernt photographierte.

Am Wegrand stand ein hoher Meilenstein mit Angaben zum "Apalachian Trail" und noch 0.6 Miles bis zu den Fällen.
Ich träumte ein wenig vor mich hin, machte ein Foto vom Meilenstein und dachte drüber nach den "Apalachian Trail" mal zu gehen - 3000 Meilen von Maine nach Georgia (wenn ich mich richtig erinnere) ... während ich so in Gedanken bin, spüre ich plötzlich, es ist etwas hinter mir.



Ich fahre herum, die Kamera noch in der Hand und für einmal genug geistesgegenwärtig sie auch zu benutzen.
Zwei Kitze mit Mutter hatten sich von hinten an mich angepirscht, sie haben hier wirklich gar keine Angst.
Sie zogen ruhig weiter in den Wald hinein - ich folgte ihnen eine Weile, aber auf eine ganz stille Art waren sie viel schneller unterwegs als ich.

Dann bemerkte ich Rauch, mitten im Wald ... aber es roch nicht nach Rauch.







Nebel! ... es ging nur ein paar Sekunden, da konnte ich fast nichts mehr sehen und ich Dummerchen hatte mich durch die Rehe vom Trail entfernt.

Zum Glück war das GPS eingeschaltet - sonst wäre ich echt blöd dran gewesen.

Ich fand den Trail schnell wieder, machte mich sicher in welche Richtung ich musste und ...
ging zurück ... wieder nix mit Wasserfällen!




Irgendwie war der Tag gelaufen.

Um meine Laune ein wenig zu polieren kaufte ich mir ein dunkles amerikanisches Bier und ein ital. Sandwich als Nachtessen.
Das Sandwich bestand aus trochnem, geschmacksneutralem Weissbrot mit 10 Schichten WurstAufschnitt ... aber sonst ohne alles ... nix gut!

Der Hammer war aber das Bier ... extrem bitter ... erinnerte irgendwie an Guinness ... aber!! ...
mit einem feinen Gout von abgestandener Elchpisse ... pfui grusig!

Nun bin ich wieder mal in der Lodge gelandet ... meine Abschiedsvorstellung hier ... inzwischen kennt mich das gesamte Personal ... sie finden mich wohl seltsam, bleiben aber freundlich.

Soweit meine Abenteuer von heute ... nun spüle ich das Elchbier mal mit einem Bud runter!

Good Night and good Luck / Guten Morgen Europa 





Go west man!

Go west man ...

... or drive!

Von der Lodge aus schaut man weit ins Land Richtung Westen.
Am Horizont zeichet sich die letzte Hügelkette der Apalachen ab. Dahinter liegt fast 2000 Meilen flaches Land.
West Virginia, Kentucky, Missouri, Oklahoma, Texas und New Mexico liegen vor mir, bevor ich in der Nähe von Santa Fe das nächste Mal Berge sehen werde, die Rockys.

Meiner Zeit im Osten endet Morgenfrüh und es beginnt die geplant ungeplante Zeit des "Sich-Treiben-Lassens".
Ich verlasse Morgen den zivilisiert-europäischen Osten und gehe in den "Wilden Westen".
Das Kernstück meiner Reise.

Genug der feucht-heisse Tage in Virgina, freue ich mich auf die trockene Hitze des Mittelstücks der USA ... und ich freue mich aufs Mich-Treiben-Lassen ... auf   "Die Entdeckung der Langsamkeit" in der  " ... unerträglichen Leichtigkeit des Seins"
Die Kunst ist nicht das alles zu können oder ohne innere und äussere Widerstände zu bewältigen, die Kunst ist es, das alles wahrzunehmen und mein Eigenes draus zu machen.
Eigentlich kaum machbar ... aber jedenVersuch wert!

So sattle ich dann meinen roten Chrysler, gebe ihm noch ein paar Gallonen vom guten "Regular Fuel", schnalle mein Opinel fest um, lade Netbook und Camera voll auf und dann ...

"Rock and Roll, Baby!"